© Ernesto Uhlmann

Chemnitzer Garagen-Gespräch

Ein Interview zweier Macher

© Ernesto Uhlmann
Wir befragen die Expertin aus dem Straßenbahnmuseum und und den Experte aus dem Fahrzeugmuseum zum Thema Garagen.

Eine Garage ist längst nicht mehr nur das Zuhause oder der überdachte Parkplatz eines Autos. Eine Garage kann so viel mehr sein: Bastlerstübchen, Fahrradwerkstatt, Räucherkammer oder Ausstellungsraum. Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres 2025 werden 3.000 Garagen in Chemnitz und der Region ihre Türen öffnen. Ein solches Projekt braucht natürlich etwas Zeit und gute Koordination – bis es soweit ist, lassen wir die Menschen zu Wort kommen, die schon lange mit Garagen umgehen, weil in ihnen etwas Besonderes schlummert: ein ganz eigener Teil Chemnitzer Industriekulturgeschichte!

Wir haben Dirk Schmerschneider vom Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz e.V. und Claudia Großkopp vom Straßenbahnmuseum Chemnitz zum Dialog eingeladen und mit ihnen gemeinsam hinter die Museumstüren geschaut.

Eine klassische Frage zum Einstieg: Was ist das Besondere an euren jeweiligen Museen?

Dirk Schmerschneider: Das Gebäude des Fahrzeugmuseums an sich ist schon besonders, es ist eine historische Hochgarage von 1928, gebaut im Stil der Neuen Sachlichkeit. Dort wo früher etwa 300 Autos und Motorräder geparkt wurden, präsentieren wir heute einen Querschnitt durch die sächsische Fahrzeuggeschichte. Wir zeigen viele Fahrzeugarten, unterschiedliche Zustände der Fahrzeuge und erzählen die dazugehörenden Geschichten. Besonders ist auch, dass man so dicht an die Objekte heran kommt.

Claudia Großkopp: Bei uns ist es ähnlich - die Spuren der Vergangenheit sind besonders erlebbar. Ich sage immer: „Hier hat noch jeder Betriebsdirektor eine Wand gebaut.“ Die Schmiede und das Kutscherhaus sind noch vorhanden und wir waren schon immer ein Museum, das erlebbar ist - hier darf jeder mal die Klingel bedienen. Was ich sehr charmant finde, ist, dass es ein Haus ist, das aus einem Verein heraus entstanden ist. Bei uns kann jeder was entdecken - die Fans kommen von alleine aber wir möchten, dass sich alle wohl fühlen und spielerisch etwas lernen können. Es ist halt wirklich noch die alte Wagenhalle und so riecht es auch.

Wie ist Industriekultur in euren Häusern erlebbar? Welche Rolle spielt sie?

Claudia: Unsere Besucher haben immer eine Geschichte zu erzählen, in welcher die Straßenbahn vorkommt. Sei es, dass die Oma geschaffnert hat oder der Onkel Straßenbahn gefahren ist - das prägt auch die Gesellschaft. Die Bahnen verändern sich, Industriekultur verändert sich und auch das Museum verändert sich. Das zeigt die Parallelen nach Europa auf, denn in anderen Ländern ist es ähnlich - und das macht auch Industriekultur als verbindender Anker der Geschichte für uns aus.

Dirk: Es geht ja nicht nur um die Exponate der Ausstellung - sondern um die Verbindungen dazwischen, in die Stadt und die Region. Wir bringen in unserem Museum häufig Wissenschaft und Sammlung zusammen und manchmal entstehen dadurch neue Verknüpfungen. Da merkt man dann, wie das alles miteinander verzahnt ist. Das ist klasse und macht immer wieder Spaß! Man kann erleben, wie sich die Mobilitätsgeschichte in und um Chemnitz entwickelt hat.

Welche Macher spielen bei euch eine Rolle?

Dirk: Bei uns muss ich an der Stelle Frieder Bach nennen. Seine Sammlung war der Grundstock für das Museum und er hat jede Woche neue Ideen, was man noch tun könnte. Unsere Mitglieder und Sammler sind unsere Macher, die immer wieder neue Anregungen geben und Anstöße bringen, in welche Richtung man noch forschen oder was man in Zukunft den Besuchern zeigen könnte.

Claudia: Bei uns ist es der Verein, der mich fasziniert - da knallt es auch ab und an aber es wird immer wieder ein Konsens gefunden. Die Leidenschaft für das Thema vereint die Akteure und das ist super! Viele machen das neben ihrer Arbeit und brennen richtig dafür. Das sind alles absolute Macher. Und solange wir in Bewegung sind, stoppt uns keiner!

Was ist für euch eine Garage - kann man eure Häuser als „Mobilitätsgaragen“ bezeichnen?

Dirk: Bei uns steckt die Garage schon im Namen - die Hochgarage heißt offiziell Stern-Garagenhof. Und das sieht man natürlich auch noch. Der historische Aufzug ist ein tolles Beispiel dafür und in den ehemaligen Parktaschen stehen jetzt unsere Exponate. „Mobilität“ findet bei uns noch jede Menge statt. Zu unseren Markentreffen beispielsweise kommen jedes Jahr Besucher – teilweise mit ihren eigenen historischen Fahrzeugen – aus ganz Deutschland und sogar anderen Ländern.

Claudia: Ich habe mich seit der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 stärker mit dem Begriff auseinandergesetzt und ja, wir sehen uns als Wagenhalle, als Garage, als Depot oder als Remise - es ist ein historischer Ort, der seine ganz eigene Geschichte erzählt! In einer Garage kann für mich alles versteckt sein, vom Lager bis zum Party-Raum. Und bei uns passieren manchmal auch Dinge, die man nicht erwarten würde, zum Beispiel fand hier auch mal Theater mitten in der Kulisse der Straßenbahnen statt.

 

Eure Museen befinden sich beide an der Zwickauer Straße - was macht diese Straße für euch aus und was sollte man auf dem Weg zwischen euren Häusern nicht verpassen?

Claudia: Auf dem Weg zwischen den Häusern kann man ganz viel entdecken - natürlich liegt das Industriemuseum auf dem Weg aber die Zwickauer Straße hat einfach ihren ganz eigenen Look. Ich habe das früher immer „morbiden Charme“ genannt und musste das erst lieben lernen - aber es hat ein ganz eigenes Flair, das ich nicht missen möchte.

Dirk: Für mich ist das ein echtes Chemnitz-Phänomen: egal, über welche breite Zufahrtstraße man nach Chemnitz kam, es sah alles schlimm aus. Inzwischen hat sich die Zwickauer Straße schon sehr verändert. Einiges finde ich schon sehr gelungen und modern - den Intenta-Neubau zum Beispiel. Und überall am Wegesrand findet man einen Teil der Chemnitzer Fahrzeuggeschichte, vom Museum Gunzenhauser über die Wanderer Werke bis hin zu den alten Diamant-Werken ganz am Ende der Zwickauer Straße.

 

Welche Pläne habt ihr für eure Häuser für die Zukunft?

Dirk: Dazu machen wir uns natürlich ständig Gedanken ob und wie das Museum erweitert werden könnte.

Claudia: Wir haben einen konkreten Nutzungsplan für die nächsten Jahre. Wir haben zum Beispiel den Ikarus 180, davon gibt es nur noch 3 Stück auf der Welt und einer gehört zu unserer Sammlung. Zudem ist unser Museum eine Interventionsfläche der Kulturhauptstadtbewerbung und das ist einfach eine unglaubliche Chance für uns als Verein und für das Museum. Darauf freuen wir uns sehr.

Zum Schluss noch eine Empfehlung eurerseits: Was sollten Besucher in Chemnitz nicht verpassen?

Claudia: Jeder Gast sollte eine Tour mit unseren Gästeführern machen - das lohnt sich immer wieder, finde ich! Zudem sollte man immer auch einen Blick ins Stadtbad werfen, das ist eines der großartigsten Gebäude der Stadt!

Dirk: Jeder sollte einmal vom Schloßberg in die Innenstadt laufen. So entdeckt man, dass es ganz viele verschiedenen architektonische Epochen gibt - das sind fast vier Städte in einer. Und natürlich muss ich noch den Lokschuppen in Hilbersdorf empfehlen, den Schauplatz Eisenbahn. Der ist immer einen Besuch wert!

Lust bekommen auf eine Entdeckungsreise zur Industriekultur?

Dann auf zu einer Reise nach Chemnitz! Wir haben das passende Angebot für euren Besuch und beraten euch gern.

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