Die Chemnitz-Story

Wie die Chemnitzer Macher zu jeder Zeit ihre Stadt gestalteten

 

Wie Chemnitz von einer Industriemetropole zur Kulturhauptstadt Europas werden konnte? Die Antworten lauten: Erfindergeist, Mut und harte Arbeit.

Vielleicht begann alles im Jahr 1357, als Chemnitz das sogenannte Bleichprivileg erhielt. Sämtliche Textilien des Umkreises durften nur in Chemnitz gebleicht werden und machten die Stadt zum Handels- und Umschlagschwerpunkt der Region. Die Affinität zu Textilien und ihrer Produktion sollte bleiben und führte dazu, dass bereits im 17. Jahrhundert mehr als ein Drittel der Beschäftigten in Chemnitz in der Textilbranche tätig waren. 1799/1800 folgte durch die Gebrüder Bernhard die erste mechanische Baumwollspinnerei im heutigen Stadtteil Harthau. Chemnitz mauserte sich zur industriellen Hochburg und war bald darauf Großstadt und Anfang des 20. Jahrhunderts reichste Stadt Deutschlands. Unternehmergeist, gepaart mit Chemnitzer Machermentalität, führte zu innovativen Erfindungen und modernen Errungenschaften. Der sächsische Lokomotiv-König Richard Hartmann war hier ebenso Zuhause wie der Webstuhl-Imperialist Louis Ferdinand Schönherr.

Früh leisteten sich die Industriellen prächtige Häuser und traten als Mäzene auf. Kunst und Kultur hatte einen hohen Stellenwert in der Stadtgesellschaft und wer über ausreichend finanzielle Mittel verfügte, beschäftigte junge europäische Architekten wie etwa Henry van de Velde. Die erhaltene und mittlerweile sanierte Villa Esche des Strumpffabrikanten Herbert Eugen Esche zeugt noch heute davon. Auch das König Albert Museum, das Stammhaus der Kunstsammlungen Chemnitz ist ein Zeugnis dieser Zeit und der Investition in zeitlose Ästhetik. Es folgten prächtige Sakralbauten und ein ganzes Viertel im Jugendstil. Vom Krieg weitestgehend verschont geblieben, ist ein Spaziergang über den Kaßberg heute Pflicht für jeden Besucher der Stadt.

Nach dem zweiten Weltkrieg musste sich die Stadt neu erfinden. Ein Großteil der Innenstadt wurde kurz vor Kriegsende fast vollständig zerstört. Im Jahr 1953 kam ein Namenswechsel hinzu, die Stadt hieß von da an bis 1990 „Karl-Marx-Stadt“. In diesem Zusammenhang folgte nicht nur die Einweihung der großen, bekannten Skulptur des Philosophen-Kopfes im Stadtzentrum, sondern auch ein umfangreiches Stadtentwicklungsprogramm. Die Innenstadt bot Raum für neue Pläne und Gebäude – einige sind noch heute im mittlerweile auch geschätzten Stil der Ostmoderne erlebbar. Es zogen mehr Menschen in die Stadt, der Wohnraum wurde knapp und am Rande entstanden Wohnsiedlungen wie etwa das Fritz-Heckert-Gebiet.

Im Schatten von Leipzig und Dresden entstand in Chemnitz im Verlauf der Jahre eine ganz eigene Kultur. Eine Kultur, geprägt vom Machertum. In einer alten Filmaufnahme heißt es, in Karl-Marx-Stadt „bauen Arbeiter sich ihre eigene Stadt“. Man war gut, man konnte es - aber man machte kein großes Aufsehen darum. Nach der Wende verließen etliche Bewohner ihre Stadt und diese wurde erneut mit Themen konfrontiert, die kein Durchatmen zuließen. Die Neugestaltung der Innenstadt, Brachenrevitalisierung und Umgang mit Leerstand waren drängende Punkte, die ins Blickfeld rückten. Doch auch dies meisterte die Stadt durch engagierte Bürger; die Technische Universität wuchs, Firmen gründeten sich hier und mittlerweile steht „Made in Chemnitz“ international als Siegel für Qualität und innovative Lösungen.

Seit Oktober 2020 ist auch klar: Chemnitz hat das Potential, noch mehr daraus zu machen und auch auf der kulturellen europäischen Landkarte aufzuleuchten. Die internationale Jury empfahl die Stadt als Europäische Kulturhauptstadt 2025.

Im Kulturhauptstadtjahr 2025 werden Projekte gemäß dem Motto „C the Unseen“ unentdeckte Orte erlebbar und das Unsichtbare sichtbar machen. Die europäischen Macherinnen und Macher sollen im Fokus stehen und ausgehend von der Geschichte den Faden in die Zukunft spinnen.

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